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Die Welt des Brady Dougan

Credit-Suisse-Chef Brady Dougan erklärte diese Woche die Rolle seiner Bank im US-Steuerstreit. Wie immer trug er eine Tierli-Krawatte. Porträt eines eigensinnigen Bankers.

Von Peter Hossli

douganOb einer Macht oder Geld hat, zeigt sich oft am Schlips. Mächtig der Senator, der am Mittwoch in Washington den Chef der Credit Suisse (CS) mit Fragen löcherte. Reich der Banker, der genervt das kantige Gesicht verzog. So reich, dass Brady Dougan (54) in den hehren Hallen des amerikanischen Senats eine bunte Krawatte trug, auf der Zebras tanzen. Als respektiere er die Institution nicht.

Carl Levin (79), der mächtige Befrager, hatte einen klassisch gestreiften Binder am Hals. Pro Jahr verdient er 154000 Franken. Dougan erhält das Woche für Woche. 2010 waren es sogar täglich fast doppelt so viel.

Nie hat die Schweiz einen Banken-Chef wie ihn erlebt, den «Brady», wie er am Paradeplatz heisst. Ein globalisierter Mensch, der seit 23 Jahren bei der CS ist. Sie seit 2007 führt, als er auf Oswald Grübel (70) folgte.

Dougan ist Amerikaner, und deshalb vielen Schweizern irgendwie fremd. Er versteht die Schweiz kaum. Konnte einst nicht sagen, wie viele Bundesräte es gibt. Deutsch kann er nicht.

Was für ihn unwichtig ist. Englisch ist die Sprache seiner Welt. Viel wichtiger: Dougan brachte die Credit Suisse ohne staatliche Hilfe durch die Finanzkrise. Was weltweit nur wenigen Bankern gelang. Er sei gut, ein gescheiter Kopf, heisst es. Für die «Bilanz» ist er «einer der besten Banker seiner Generation». Denn: «Fachlich ist der Bankchef über jeden Zweifel erhaben.»

Sein Leben verschreibt er der Credit Suisse. Geht um eins ins Bett, steht um halb sechs auf. Für den Auftritt in Washington büffelte er wochenlang, weil es der wesentlichste seiner Karriere war. Wie das Schwert des Damokles hängt der US-Steuerstreit über der CS.

Mann ohne Laster
Dougan spielt kein Golf. Er meidet Partys. Statt langen Mittagessen hält er kurze Treffen im Büro ab – bei Cola Zero, seinem Lieblingsgetränk. Er ist Asket, trinkt nicht, raucht nicht, isst hyper-gesund.

Beim Weihnachtsessen für Journalisten lässt er Rindsfilets für alle auftragen, Salat und halbgares  Gemüse für sich. Dessert und Digestiv lässt er aus.

Zumal er am nächsten Morgen wieder früh fit raus muss. Ausfälle kann und will er sich nicht erlauben.

Dougans Welt hat Struktur, ist nicht kompliziert. Er fliegt. Er arbeitet. Er joggt. Jeden Morgen. Und doch ist er stets der Erste im Büro.

Einen Marathon schafft er in 3 Stunden und 20 Minuten. Oft rennt er alleine. Weil er beim Laufen die besten Ideen habe, sagt er. Rennt er mit Kollegen, verschärft er zuweilen das Tempo – um zu sehen, wen er zuerst abhängt. Er weiss: Mithalten kann keiner.

Ehrgeiz treibt ihn an. «Best in Class» müsse die CS sein, verlangt er. Die beste Bank der Welt. «Meine Motivation ist, die Credit Suisse wirklich erfolgreich zu machen.» Man glaubt es ihm. Je besser es der Bank geht, desto besser geht es ihm. Ein beachtlicher Teil seines Vermögens hat er in Credit-Suisse-Aktien angelegt, rund 42 Millionen Franken. Geld ist sein Motor, Gier der Motor aller Banker. Auch im Privaten.

Als sich Dougan von seiner ersten Frau scheiden liess, musste er ihr 15,3 Millionen Dollar zahlen. Er zahlte sie langsam aus, um Zinsen einzuheimsen. Sie klagte – und erhielt eine Million Verzugszinsen.

Ein Aufschrei ging durch die Schweiz, als Dougan vor vier Jahren einen Bonus von 70,9 Millionen Franken erhielt, dazu noch 17,9 Millionen Gehalt. Aus seiner Sicht war das normal. Zumal er sich 2004 an die CS binden liess. Für Leute wie ihn hat das seinen Preis. «Wir knüpfen den Bonus an langfristige Erfolge», sagt er. 90 Millionen seien ein Zeichen seines Erfolgs – an dem andere teilhaben.

Der Vielflieger
Zu Hause ist er nirgends – und doch überall. Im «Magazin» schilderte Dougan 2011 einen normalen März. Als er von Zürich nach New York flog. Dann von New York nach Dubai. Von Dubai via Amman nach Tel Aviv. Tel Aviv nach Hongkong. Weiter nach Peking. Von Peking nach Seoul. Von Seoul nach Tokio. Weiter nach Singapur. Von dort nach Zürich, nach Bern und zurück, dann nach New York. Wieder nach Bern. Zwei Nächte verbrachte er in eigenen Betten. Eine in Erlenbach ZH, eine in Greenwich, nördlich von New York. Wo er mit seiner zweiten Frau ein Haus teilt.

Sie ist Professorin an der Yale-University und betreibt eine Bio-Techfirma, die künstliche Organe entwickelt. So gelang es ihr, für Ratten Lungen zu züchten. Dougans Sohn und seine Tochter leben mit seiner Ex-Frau in New York.

Er fährt ein Hybrid-Auto. Da ihm die Umwelt wichtig sei. Aus einfachen Verhältnissen stammt Dougan. Der Vater buckelte bei der Bahn in einem Kaff namens Murphysboro im US-Staat Illinois. Bekannt als Knotenpunkt von Eisenbahnlinien – und für ein Apfelfestival.

Zu altern scheint Dougan nicht. Sein Haar ist immer gleich. Er lächelt, lacht aber nicht. Er spricht nie leise, nie laut, stets monoton. Er redet viel, sagt wenig. Gibt geschliffene Sätze von sich, die alles und nichts bedeuten. Beispiel? «Ich sehe eine Reihe von Geschäftsfeldern, die sich als potenziell wichtige Wachtsumgebiete erweisen könnten.»

Gezählt seien seine Tage bei der CS, schreiben Wirtschaftsjournalisten immerfort. Zuweilen «höchstens ein Jahr», dann «ein paar Monate» sei er noch im Amt. Aber er hält sich. Schlüsselpositionen hat er mit Vertrauten besetzt, mit Amerikanern und Briten. Er glaubt: Keiner sei so gut wie er. Deshalb trägt er die Krawatten, die ihm gefallen.

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